BESUCH BEI VERWANDTEN
Saronno, 9/2025
Raus aus der Stadt
Bologna ––> Saronno, 17/09/2025. Ich sitze im Zug nach Saronno in der Nähe von Mailand. Seit feststand, dass ich Graziella (die Schwester meines Opas aus Italien) und ihren Mann Giunio für zwei Tage besuchen fahren würde, war mein Vorfreude groß. Ich wohne seit einem Jahr in Bologna und habe die Stadt bisher wenig für Ausflüge verlassen. Besonders in den letzten Wochen war ich viel in meiner Wohnung, um nicht in der Hitze zu sein (40 Grad) und habe abends in der Weinbar gearbeitet. Die Stadt ist aufgeheizt. Und neben etwas Abkühlung und Grün hat es mir in den letzten Wochen auch an Vertrautem gefehlt.
Ankunft in Saronno
Giunio nimmt mich am Bahnhof in Empfang. «Johanna, che fa la vita?»/«Was macht das Leben?» und schaut mich mit ehrlichem Interesse an. Es tut direkt gut hier zu sein. Auf der Autofahrt erzählt er mir das Neuste von seinen drei Kindern und ihren Jobs, Projekten und Familien. Am Haus angekommen fahren wir in die Tiefgarage und ich gehe schonmal rauf in die Küche. «Eii ciao Johanna.» Eine Umarmung von Graziella. «Dopo con calma ci raconti come va la vita a Bologna.» Gerne. Ich bringe meinen Rucksack rauf ins Gästezimmer.
Pasta, Tacchino und Kräuter aus dem Garten
Und dann gibt es direkt Mittag. Eine frische Pasta mit Tomatensugo und Basilikum, danach Tacchino in hausgemachtem Kräutersud aus dem Garten und Bohnen mit Tomatenpesto. Dazu Brot, Wasser und Wein. Ich genieße. Was ich für Pläne habe, fragt Graziella, was ich sehen möchte. Ich bin ehrlich. Meine erste Priorität ist es in diesen beiden Tagen die beiden zu sehen und im Garten zu sitzen.
Dann machen wir alle einen Pisolino/Mittagsschlaf, der mir nach dem frühen Aufstehen sehr entegegen kommt. Ich lege mich in mein Gästebettchen im ersten Stock und mache die Augen zu.
Dann machen wir alle einen Pisolino/Mittagsschlaf, der mir nach dem frühen Aufstehen sehr entegegen kommt. Ich lege mich in mein Gästebettchen im ersten Stock und mache die Augen zu.
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Endlich Gartendüfte
Nach einer Stunde des Ruhens gehe ich hinunter und trete auf die Terasse. Eine herrlich sommerlich gewaltige Fracht an Düften schlägt mir freundlich entgegen. Allem voran Jasmin. Dann Oleander, Lavendel, Myrthe. Warum tut das so sehr gut? Es ist ein Aufatmen.
Beieinander
Ich setze mich mit meinem Buch auf die Terasse. Gunio setzt sich dazu. Und dann kommt auch Graziella mit zwei Fotoalben raus. Kindheit und junges Erwachsenenalter. Erst erzählt sie von der Kindheit und richtig in Fahrt kommen wir als wir in die Zeit in Karlsruhe kommen, wo sie als junge Lehrerin italienische Gastarbeiterkinder unterrichtet hat. Ich frage vorher ob ich die Erzählungen per Audio aufnehmen kann und filme später auch das Fotoalbum während sie erzählt. Zwischendurch essen wir Wassermelone.
Der Garten
Bis sieben Uhr abends sitzen wir da. Dann zeigt Graziella mir noch genauer den Garten. Die neuen großen Bäume, ein Feigenbaum, der sich auf der rechten Seite groß gemacht hat und links eine Hainbuche. Beides kleine Gewächse die sich durch das Umpflanzen vom Topf in die Erde kraftvoll ausgebreitet haben und nun Schatten spenden. Hinterm Haus ist eine kleine Ecke mit einem Stuhl zwischen ein paar Büschen. Hier, sagt Graziella, setzt sie sich manchmal zum Lesen hin und fühlt sich dann wie in den Bergen. Ich glaube, als Kind und mit ihren Eltern waren die Gandolfos oft in den Bergen und im Wald zum spielen.
Abendessen
Zu Abend essen wir etwas leichtes. Eine Piadina mit Stracchino und zwei großen Scheiben Prosciutto cotto. Dazu Honigmelone. Tomatenscheiben garniert mit Salz, Pfeffer und Basilikum. Etwas Brot und Wein.
Myrthenschnaps
Und dann setze ich mich noch etwas auf die Terasse in die Kühle des Abends. Mit den aufgeschriebenen Kindheitserinnerungen, die mir Graziella zum Lesen gegeben hat. Gunio setzt sich dazu und fragt ob ich lese und vielleicht an einem für mich geeigneten Buch auf italienisch interessiert sei. Er könne mir etwas raussuchen. Graziella bietet mir noch einen selbstgemachten Limoncello an und Gunio trinkt einen selbst angesetzten Myrthenschnaps. Der duftet wirklich wie die Pflanze selbst. Sehr kräuterich, aber rund, weich und süß. Wir sitzen noch eine Weile zusammen dort. Eine angenehm schwere Müdigkeit überfällt mich, intensiviert durch den Alkohol. Und so gehen wir alle gegen 22:30 zu Bett. Es ist noch warm, aber die Nacht kühlt sich immer mehr ab und auch mit offenem Fenster lassen mich die Mücken in Ruhe schlafen.
Morgen Abend kommen Marinella und vielleicht Paolo zum Essen. Ich freue mich auf morgen. Und ich fühle mich verbunden mit meiner Verwandtschaft. Es ist ein Geschenk.